24.09.2016 Ankunft in Marokko

Einen Tag früher als erwartet sind wir in Marokko eingetroffen. Richtig gelesen, denn auf meinem Fährticket war Abfahrt 23.09 und Ankunft 25.09 notiert. Endlich hat sich das Rätsel gelöst, warum wir auf einmal einen Tag länger als sonst benötigen. Es handelte sich lediglich um einen Druckfehler.

Alles ging soweit gut! Geschafft!!!

Leider hat der seekranke Hund auf der Fähre die Nacht nicht überlebt. Ich habe heute morgen richtig mitgefühlt mit der Besitzerin. Es wäre für mich undenkbar, wenn ich meine Hundies nicht heile zum Zielort bringen würde. Alle Passagiere mussten vor Ankunft 2h vorab Ihre Kabinen verlassen und auf dem Deck warten. BOB bewies mal wieder sein „rassistisches“ Denken. Europäer werden geknuddelt und Marokkaner verbellt. Das kann ja wieder heiter werden.

Irgendwie habe ich es gemanaged 2 Hunde plus eigenes Gepäck in einer Fuhre von Etage 8 zum Parkhaus im Gedränge von gefühlt mehreren 100 Personen zu bringen.

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Tolles Gefühl mit einem marokkanischem Fahrzeug lokalen Boden zu befahren.

Ein klein wenig mulmiges Gefühl habe ich ja doch in Bezug auf die Zollkontrolle.

Doch es lief besser als gedacht. Die Fahrzeugspuren sind unterteilt in 4 Spuren für ausländische Fahrzeuge und 1 Spur für marokkanische Fahrzeuge. Letztere war leer, wir mussten nur einmal kurz unsere Fahrzeugpapiere vorzeigen und durfen auch schon weiterfahren. Top!

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Nach einem kurzen Hunderaststopp sind wir bei leider großer Hitze bis Tanger Stadt durchgefahren und genießen nun unsere „Stammunterkunft“.

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P.S: Morgen ist Ruhetag angesagt, sprich ich versuche die bisherige Reise auf dem Blog festzuhalten. Für Neugierige: Alle Photos sind bisher schon hochgeladen hier.

 

 

 

12.09.2016 Pressemitteilung Infoabend e-Sternfahrt zum Klimagipfel Marokko

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PRESSEMITTEILUNG

e-Sternfahrt Zürich –  Klimagipfel COP 22 Marokko

Am Dienstag 14.09.2016 findet die erste Infoveranstaltung zur geplanten e-Sternfahrt zum Klimagipfel COP 22 nach Marrakesch, Marokko statt. Die Veranstaltung findet um 19 Uhr bei TWIKE Zürich in der Winterthurerstrasse 281,CH- 8057 Zürich statt. Referenten sind Louis Palmer und Silvia Brutschin, welche sich gerade mit einem TWIKE auf den Weg nach Marokko macht und in Zürich einen Lade-&Übernachtungsstopp einlegt.

Infoabend e-Sternfahrt COP 22 Marrakesch bei TWIKE Zürich 14.09 um 19 Uhr.jpg

Der diesjährige Klimagipfel COP 22 findet vom  7. – 16. November in Marrakesch, Marokko statt. Das ursprünglich in der Schweiz erfundene TWIKE hat sich ebenso wie Bertrand Piccard, Pilot des Schweizer Solarflugzeuges Solarimpulse in diesem Land bereits einen Namen gemacht. Das TWIKE hat in Marokko als erstes zugelassenes E-Fahrzeug erneut Pioniergeist gezeigt.  Auch der Schweizer Louis Palmer wird mit seinem geplanten Guinness-Weltrekord während des COP 22 seinen Bekanntheitsgrad vergrößern. Im Zuge seines WAVE Earth Projekts werden derzeit noch E-Piloten & Fahrzeuge gesucht, welche seine von Schülern weltweit erstellten Karten mit Klimaversprechen nicht nur emissionslos nach Marrakesch bringen, sondern auch beim Weltrekordversuch selbst mitwirken und vielleicht sogar eine Runde auf der Formel E vor Ort drehen können. Es sprechen also viele Gründe eine elektrische Sternfahrt zu unternehmen.

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Kontaktpersonen:

  • Bechtiger Motors

Thomas Bechtiger

Winterthurerstrasse 281

8057 Zürich, Switzerland

Phone: +41 44 311 48 30

info@bemoto.ch

 

  • Silvia Brutschin

marokko@twike.com

http://www.twikingfuture.de

12.09.2016 Deutschland-Marokko die 6.!

Liebe twikingfuture Freunde, es ist mal wieder soweit. Bevor überhaupt von der letzten e-Reise fertig berichtet werden konnte, fängt auch bereits die Nächste an.

Doch wer es nicht erwarten kann, bisselbstverständlich noch von der letzten einzigartigen Reise berichtet wird, kann sich einen Eindruck vorab über die Fotosammlung auf Flickr holen.

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Der zweimonatige Sommer 2016 in Deutschland war definitiv zu kurz und zu arbeitsintensiv. Doch unter anderem wurde neben der regulären Arbeit auch die erneute TWIKE Reise vorbereitet, welche dieses Jahr wegen zahlreichen Events vorverlegt wurde.

Anbei der aktuelle Eventplan:

14.09.2016: Informationsabend über die geplante e-Sternfahrt von e-Mobilisten nach Marokko zum Klimagipfel bei TWIKE Zürich in der Schweiz.Referenten: Louis Palmer und ich:-)

20./21.09.2016: Gipfel der Leichtelektrofahrzeuge LEV in Barcelona. Mein erster Auftritt als Speakerin. 20 Minuten auf Englisch, ich bin gespannt:-)

14.-16.10.2016: Teilnahme beim Moroccan Solar Festival in Ouarzazate

12.11.2016: E-Mobilisten Treffen in Marrakesch zum Klimagipfel COP 22 in Kombination mit einem Weltrekordversuch von Louis Palmer. Louis möchte gerne über 40.000 Versprechen von Schülern weltweit in einem 1.5 Grad Erderwärmungssymbol auslegen. Solarimpulspilot Bertrand Piccard wird ihn hierbei unterstützen und wenn alles gut ist, dürfen wir sogar beim Formel E mit dabei sein.

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Zurück zur morgen stattfindenden elektrischen Reise. Eigentlich komme ich mir vor wie ein „alter Hase“ im längeren Reisen mit einem E-Fahrzeug. 5x Deutschland – Marokko und einmal Deutschland – Island – Deutschland, ist das nicht Erfahrung genug?

Nein, denn diese Reise wird anders. Es ist das erste Mal, das ich alleine mit ZWEI Hunden verreise in EINEM TWIKE. Ich bin nervös und aufgeregt zugleich.

Eine weitere Besonderheit ist, dass ich mit einem „historischem“ Fahrzeug unterwegs bin, nämlich mit dem ersten in Marokko zugelassenem E-Fahrzeug. Aktuell werden die letzten Folierungskunststücke an diesem TWIKE vollbracht. Ich kann es kaum erwarten Euch morgen Fotos davon zu zeigen. Anbei ein Versuch von Photoshop:-)

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Ich habe Euch ja noch überhaupt nichts von EPAMAROC  (E-Pionnier Au Maroc = E-Pionierin in Marokko) erzählt. Mein nächstes Projekt. Doch jetzt erstmal weiter packen, mehr dazu unterwegs.

Morgen steht eine fast 300km lange Fahrt an. Bis morgen Abend!

Wer auf Facebook unterwegs ist, kann sich ja gerne mal mit der E-Pionnier Au Maroc anfreunden und hoffentlich mehrfach am Tag in französischer Sprache Neuigkeiten von unterwegs erfahren:-)

Für die nicht Facebook-Freunde unter Euch, aktuelle Bilder gibt es immer hier.

 

Mi – 22.06. – Tanger – Tanger Med: 40km

Letzter Tag in Marokko! Unsere Fähre fährt erst um 23 Uhr und die Temperatur um 8 Uhr morgens kündigen wieder einen sehr heißen Tag an. Schade! Auf Grund der Temperaturverhältnisse wagen wir es auch heute nicht das Tierprojekt „Le Sanctuaire de la Faune de Tanger“ 30km von Tanger Richtung Inland zu besuchen. Für alle Tierbegeisterten unter Euch, empfehlenswert!

Aufbruchsstimmung gegen 15 Uhr. Immer noch viel zu warm, doch selbst TWIKE Hund BAYDA kennt mittlerweile die natürliche Klimaanlage des TWIKE:-)

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Wir gehen ein Risiko ein mit dem späten Aufbruch, denn es ist Ramadan und alle Behörden etc. schließen gewöhnlich gegen 15 Uhr. Doch in meinem Inneren bin ich davon überzeugt, dass ein internationaler Hafen 24h/7T geöffnet haben muss. Auch bei meiner Ankunft im letzten November kam die Fähre um 2 Uhr morgens an und es war kein Problem noch die notwendigen Stempel für unsere Zollpapiere zu erhalten.

Wir lassen uns auf dem Weg Zeit und genießen die herrliche Fahrt direkt am Meer entlang. Die Hunde erhielten mehrmals Auslauf und wir deckten uns in den Dörfern mit notwendigem Proviant ein.

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Je näher wir dem Hafengelände kommen, desto unangenehmer wird mein Bauchgefühl. Es handelt sich mal wieder um mehrere Sonderfälle, die wir bei Zoll und Polizei vorzutragen haben.

  1. Polizeikontrolle: Ich habe ein wichtiges DIN A4 Dokument dabei, welches mir eine Verlängerung meines Visas bestätigt. Und nur dieses Dokument erlaubt die Verlängerung, welche in keinem System vorab eingetragen werden konnte.
  2. Zollkontrolle: Ausnahmesituation, das es sich bei den Fahrzeugen nicht um Privatfahrzeuge handelt und ich unbedingt einen Stempel benötige, welcher bestätigt, dass die Fahrzeuge auch wirklich das Land verlassen haben.

Wir nähern uns dem Hafengelände. Erster Schritt: Fährtickets beschaffen.

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Der einfachste Schritt ist geschafft.

Jetzt fängt es bereits an kompliziert zu werden. Mein Begleiter muss durch die normale Polizeikontrolle. Nach der Polizeikontrolle kommt der Zoll, jedoch nur für Privatpersonen, meine Fahrzeuge sollten aber durch den „LKW-Zoll“, der sich mindestens 5 km weiter befindet. Aber einmal durch die Polizeikontrolle geht es direkt zum „normalen“ Zoll, kein Weg zurück. Na ja, letztes Jahr ist es mir gelungen auch dort den gewünschten Ausfuhrstempel zu erhalten, wir versuchen es.

Das erste Hinternis kommt schneller als gedacht: Meine Visaverlängerung (das besagte DINA4 Dokument) ist unauffindbar. Mein Bauchgrummeln wird stärker, ist mir doch bewusst, dass es schon Fälle gab, wo Personen die besagten 1000km nach Agadir zum Ausstellungsort wieder zurückfahren mussten, um sich ein weiteres Papier ausstellen zu lassen…Nach einstündiger Suche gebe ich auf. Ich soll beim zuständigen Polizeichef im Hauptgebäude (wieder mehrere km weiter) vorbeischauen. Kleiner Hoffungsschimmer.

Nun geht es erstmal weiter zum Zoll. Bitte aussteigen! Grummel. Erst sieht es gut aus, doch dann greift der Zollbeamte zum Telefonhörer. Unbedingt notwendig beim „LKW-Zoll“ vorbeizuschauen. Grrr, es ist jetzt 18:30 Uhr. In einer Stunde ist Fastenbrechen und dann essen ALLE Marokkaner und JEDER Schalter wird unbesetzt sein. Kein Problem, die Fähre fährt ja erst um 23 Uhr!!!

Wir bekommen eine Sondererlaubnis, das innere Hafengelände wieder zu verlassen. Mehrere Km weiter befindet sich unser neuer Anlaufpunkt. Mit unseren „Mini-LKWs“ werden wir noch nicht mal reingelassen. Ich steige aus, setze mich bei der Kontrolle mit meinen Dokumenten durch und darf das Gelände betreten. Der Zoll macht mir eindeutig klar, dass nach 17 Uhr niemand mehr am Schalter sich zuständig fühlt und ich morgen nochmal kommen sollte. Daraufhin machte ich darauf aufmerksam, dass der „andere“ Zoll sie ja gerade telefonisch über unser Kommen verständigt hat…und da standen 5 Zollbeamte!!! Niete. Ich kenne diesen Ausdruck bei marokkanischen Beamten. Da kommt man nur noch weiter auf höherer Etage. Nein, der Chef wäre auch erst morgen wieder da. Glatt gelogen!!!

Unsere einzige Möglichkeit ist jetzt wieder zum 1. Zoll mehrere km zurückzukehren. Grrr. Der Polizeischef liegt auf dem Weg und wenn wir uns beeilen schaffen wir Ihn noch vorm Fastenbrechen zu erreichen. Noch 4h bis die Fähre ausläuft, alles gut…hoffentlich!

Nach einiger Zeit finde ich den Polizeichef. Ein junger und dynamischer Mensch. Ich habe ein gutes Gefühl. Ich lege kurz meine 2 Probleme dar. Er meinte, das Zollproblem wäre das kleinere. Ich protestiere, da wenn der Zoll nicht mehr arbeitet, käme ich ja vor morgen nicht mehr weg. Es wird mir klar gemacht, dass hier nicht nur die Polizei 24h arbeitet sondern auch der Zoll. Er sucht seinen Zollfreund in diesem Hauptgelände auf, der ihm das auch nochmal bestätigt. Dann ist Ramadanbrechen. Er läd uns freundlich ein mit ihm zu Essen und das Eis ist gebrochen.

Nach dem Essen gehen wir das größere Problem an. Denn ohne meine DIN A4 Unterlage gibt es keine Ausreise für mich, das lies er sich auch nochmal bestätigen. Keine Ausnahme möglich, auch nicht unter freiwilliger Bezahlung einer Strafe wegen Überschreitung der 90 genehmigten Tage. In diesem Fall müsste es erst am nächsten Tag vor Gericht gehen. Er kommt  mit zum TWIKE, um auch nochmal persönlich alle Schriftstücke durchzugehen. Nachdem er sich überzeugt hat, dass das gesuchte Dokument wirklich nicht vorhanden ist wird, die Polizeistation in Agadir kontaktiert. Das Problem ist, dass nach dem Fastenbrechen alle entweder in der Moschee sind oder bei Familien. Auch hat er den Eindruck, dass diverse zuständigen Polizisten nicht arbeiten wollen. Mehrfach betont er, dass er ja auch am Arbeiten sei. Er braucht dringend eine Bestätigung, dass das besagte Dokument ausgestellt wurde. 20: 30. Noch 2.5h. Ich habe einen Freund beim Militär in Agadir. Militär und Polizei sind verknüpft und verständige diesen parallel. Er teilt mir ebenfalls mit, dass es hoffnungslos wäre, da niemand mehr im Büro wäre, schon gar nicht bei der „Zivilpolizei“ aber er würde ebenfalls sein Bestes versuchen. Uff. Eine Stunde später noch immer keine Antwort von der Polizei aus Agadir, auch ist das Zollproblem noch nicht gelöst. Mein Begleiter wird nervös, ich auch. Der Herr Polizeichef bleib gelassen und ruft nun die nächsthöhere Stelle in Agadir an. Ich teile ihm mit, dass die zuständigen Beamten während Ramadan selbst nur bis 13 Uhr arbeiten. Daraufhin lacht er und sagt, auch die Polizei in Agadir würde 24h arbeiten. Um 22 Uhr kommt endlich eine vage Zusage!!! Noch 1h für die Fähre. Bis zur Zollstelle sind es 5km zu fahren, anschließend zum Ablegehafen der Fähre erneut 7km. Die Ablösung des Polizeichefs kommt pünktlich um 22 Uhr, doch er erklärt sich bereit auch nach Feierabend noch unseren Fall abzuklären. 22:20 Uhr und die erhoffte Bestätigung aus Agadir ist immer noch nicht eingetroffen. Mein Begleiter gibt auf und sucht bereits die nächste Fährverbindung nach Italien. Ich kämpfe weiter und dränge endlich zum Zoll zu fahren. Der Polizeichef würde lieber noch die Bestätigung aus Agadir abwarten, denn Zollpapiere ohne meine Visaverlängerung würden nichts bringen. Schlussendlich ist er aber sogar bereit sich in mein TWIKE  zu setzen und zum Zoll zu fahren. 22:50. Die Fähre fährt in 10 Minuten ab. Er ruft den zuständigen Polizisten ab um die Fähre noch weitere 10 Minuten aufzuhalten. Die offizielle Bestätigung ist nun aus Agadir eingetroffen. Aber wie schaffen wir 7km mit dem TWIKE in 20 Minuten plus erforderliche Zolldokumente? Ich hoffe auf ein Wunder, in Marokko ist manchmal so einiges möglich!!! Ich traue meinen Augen nicht, der Zoll arbeitet!!!! Eine Schlange vorm Schalter, wir stellen uns an. Dann müssen die Fahrzeuge vorgeführt werden. Anschließend müssen  Dokumente kopiert werden, von uns. Der Kopierer befindet sich 200m weiter. Erneute Schlange. In der Zwischenzeit ist es 23:10. Der Polizist an der Fähre wird erneut angerufen, er solle die Fähre noch weitere 10 Minuten aufhalten. Aber ich schaffe doch keine 7km mit dem TWIKE in 10 Minuten….grrrr. Die Dokumente werden kopiert, nun schnell zurück zum Sachbearbeiter. Schlange!!! Grrr. Dann fehlte noch ein weiteres kopiertes Dokument. Also zurück zum Kopierer. 23:30. Unglaublich wie ich das alles gerade aushalte. Spannung pur. Endlich haben wir alle Dokumente. Schnell ins TWIKE und bereits am 1. Kreisel im Hafengelände werden wir angehalten und nach den Papieren gefragt. Erst als die Polizeibeamten Ihren Chef erkennen dürfen wir ohne größeres Prozedere weiterfahren. Das ganze wiederholt sich dann noch mehrere Male. Um 23:45 erreichen wir den Zielhafen und vor uns ist gerade die Fähre abgefahren, bereits 3m vom Ufer entfernt. Ich fühle mich wie in einem schlechten Film. Wir haben alles erreicht und dann diese Abschlussszene.

Schade, ich habe innerlich auf ein Happy End gehofft. Dann kommt ein Hafenarbeiter und klärt uns auf, dass das nicht die Fähre nach Italien wäre. Was???? Ok, das Rennen geht weiter. Mein Begleiter nimmt, warum auch immer, zuerst die Fahrt auf und fährt willkürlich an den nächsten Kreisel und dort rechts ab. FALSCHER Weg. Der Polizeichef fängt nun auch an zu schwitzen. Ich bestehe darauf, dass wir erst zur Fähre fahren. Ungern möchte ich miterleben, dass die richtige Fähre direkt vor uns aufbricht. Kurze Uneinigkeit. Es wäre wohl noch ein Stück zu fahren und das 2. TWIKE wäre im Hafen verloren. Ok, er steigt aus und versucht das 2. TWIKE zu Fuss einzuholen und ich drehe um, um zur richtigen Fähre zu fahren. Kurze Zeit später sehe ich das 2. TWIKE mir entgegenkommen, ebenfalls auf Suche nach mir. Nun fehlt aber der Polizeichef. 24 Uhr. Doch da kommt auch schon der Polizeichef angerannt und in mein TWIKE gesprungen. Mit Tempo 80 geht es bei erlaubten 40km/h nun zum richtigen Kai und siehe da, die Fähre steht noch da!!! UNGLAUBLICH.

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Versteckte Kamera? Nein, real!!! Es ist in der Tat schwierig, das Erlebte hier in „wenigen“ Sätzen wiederzugeben. Wir als auch der Polizeichef werden diese Szenen noch sehr lange in uns behalten. Der Polizeichef hat mir auch schon einen Ehrenplatz für das gefaxte Dokument aus Agadir an seinem Schreibtisch versprochen…

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Di 21.06- Moulay Bousselham – Tanger 123km

Die letzten 80km stehen an, doch was für eine Hitze. Geplant ist heute ein weiterer Abstecher zu einem Tierprojekt bei Tanger. Doch die große Hitze fängt bereits erneut vormittags an. Schaun wir mal. Los geht’s!

Leider fahren wir die ersten 50km nicht direkt neben der Küste, es wird einfach zu heiß im TWIKE. Wir sehen schon wieder Kaltgetränke wie eine Fata Morgana vor uns. Ramadan und TWIKE Tour sind definitiv zwei Gegenspieler. In Larache treffen wir auf einen großen Supermarkt. Geschafft! Während ich mich an den Kaltgetränken bediene, ertönt folgende Durchsage. Alle Mitarbeiter werden aufgefordert Ihre Fahrzeuge auf dem Parkplatz wegen zu großer Hitze zu entfernen. Ähhh, was? Ja, ich habe richtig gehört, denn alle Kassen waren bei meinem Erscheinen unbesetzt…Hierzu sollte erwähnt werde, dass der Supermarkt „nur“ einen Riesenbetonparkplatz zu bieten hat…wir haben mit unseren TWIKEs einen Minischattenparkplatz dank einer Hauswand erwischt, doch die anderen?

Doch nicht nur die Hitze macht uns zu schaffen. Mittlerweile fahren wir wieder direkt am Meer entlang, und ich befürchte einen weiteren Platten, da mein Fahrzeug erneut kaum steuerbar ist. Doch es herrscht Sturmwarnung! Wir fahren an den nächstmöglichen Strand und verschanzen uns im TWIKE. Zu windig um sich draussen zu bewegen!!!. Eine gefühlte halbe Stunde später klopft es an unser TWIKE Fenster. Militär! Aha. Sie erkundigten sich beim nichtfranzösisch-sprechenden 2. TWIKE Piloten über das Fahrzeug und ob es als Boot brauchbar sei und fahren wieder ab. Kurze Zeit bestätigt mir ein marokkanischer Freund, welcher beim Militär arbeitet, dass diese Art von Militär sich um illegale Immigranten kümmert….ob die wohl dachten, dass wir mit unserem TWIKE über das Meer flüchten würden????

Der Sturm hört nicht auf, wir brechen auf, mit zwei Händen am Lenkrad. Zu stürmisch an der Küste, zu heiß um ins Landesinnere zu fahren. Wir wollen nur noch ankommen und verlegen das Tierprojekt auf morgen. Ich konzentriere mich die Innenstadt zu umfahren. Unsere Unterkunft liegt schön am Stadtrand von Tanger am Meer, doch wir fahren natürlich mitten durch Tanger. Gegen 15 Uhr erreichen wir den Zielort, beziehen das Zimmer und es ist erstmal Siesta angesagt. Gegen 17 Uhr schließt der hiesige Pool wegen Ramadan für externe Gäste und wir haben die ganze Anlage für uns und gehen natürlich erstmal Planschen. Ramadan hat auch seine Vorteile. Bei tollem Ausblick auf den Sonnenuntergang genießen wir unsere wohl letzte Fastenmahlzeit in Marokko. Morgen um diese Zeit werden wir wohl schon in der Warteschlange am Schiff stehen…

Mo 20.06 : Mohammedia- Moulay Bousselham 200km

Ich mag diese <200km Tage, allerdings werden wir heute wieder eine Zwischenladung einlegen dürfen. Ich plane diesen in Kenitra einzulegen und danach den letzten Abschnitt auf der Autobahn mangels Alternativen zurückzulegen. Im Berufsverkehr von Rabat verpasse ich jedoch eine wichtige Abzweigung und biege falsch ab. Prompt befinde ich mich auf der Autobahn Richtung Fez, also direkt nach Osten als in den Norden. Keine Chance, wir müssen irgendwie wieder zurück. Wir finden eine Möglichkeit zurückzufahren plus meine Lieblingstankstelle Afriquia. Bisher bin ich noch nie zurückgewiesen worden an einer Afriquia-Tankstelle und auch dieses Mal werden wir mit einem breitem Lächeln empfangen. Es ist so heiß, es dürstet uns nach einer kalten Coca-Cola. Bisher haben wir es versucht zu vermeiden, vor Muslimen während der Fastenzeit zu trinken. Doch diese Tankstelle verkauft kalte Getränke. Wir bestellen, trinken diese in einer kleinen Ecke, bevor wir uns versuchen können, diesen Tankstellenaufenthalt zu genießenJ.

Autobahnfahren in Marokko ist einfach nur entspannt und kein Vergleich zu Deutschland. Wir fahren mit gemütlichen 60km/h Durchschnittsgeschwindigkeit, da kein weiterer Ladestopp geplant ist. Kein Autofahrer regt sich auf, im Gegenteil. Wie gewohnt, kommen uns aus mind. jedem 2. Fahrzeug ein Handyaufblitzen entgegen, viel Gewinke und mehrere Staus auf der Überholspur, da einige dann doch unsere Fahrzeuge nicht nur per Foto sondern auch per Video sich als Souvenir auf das Handy holen wollen. Auch heute schaffen wir es wieder genau rechtzeitig zum Fastenbrechen anzukommen. Top!

So 19.06 El Jadida – Mohammedia – 120km Fahrt

Langsam verlassen wir “abgelegene” Gegenden und nähern uns der Wirtschaftsregion Casablanca. Es ist Sonntag und Ramadan und somit hält sich der Verkehr noch in Grenzen. Es ist richtig heiß und das bereits früh morgens. Wir halten unterwegs mehrfach an Strandregionen an, doch ist auch dort der heiße Strand sowohl für Mensch als auch Tier nicht zum Laufen zumutbar. Ohne Zwischenladung steuern wir unser Ziel an und kommen in den Genuss vieler schattenspendenden Bäume bereits am frühen Nachmittag. Die Hitze hat uns mitgenommen. Wir schaffen es noch, unsere Matratzen auszubreiten und dösen auch bereits weg. 2h später ein kleiner Strandspaziergang mit Hundies bevor es zum legendären Fastenbrechen geht.

Sa 18.06 Souira – Jadida : 180km

 

Alle Fahrten unter 200km Tagesreichweite bezeichne ich mitterweile als kleine „Kaffeefahrt“. Fahrten über 200km sind schon als anstrengend zu betrachten und alles über 300km als Extrem. Allerdings bewegen wir uns in unserem Fall nicht nur im Sommer Marokkos fort sondern zusätzlich auch noch in einer Hitzeperiode. Wir haben ca. gefühlte 40Grad um uns herum. Das TWIKE kann hier nur Probleme erhalten wenn wir mit hohem Strom mehrere Zwischenladungen durchführen, doch wir fahren mit einer gemütlichen Durchschnittsgeschwindigkeit von 50km/h und laden in Oualidia mit jeweils 6A. Auch bei diesem Ladehalt sind die Getränke sichergestellt. Der Kellner sieht uns wohl unsere Anstrengungen an und bietet uns ein Käseomelett als „Energieriegel“ an. Wie können wir da nein sagen…

3km vor El Jadida biege ich leider mit letzter Energie in die falsche Richtung ein. Das war es dann mit rechtzeitigem Fastenbrechen bei der Unterkunft. Wir laden an einem Strassencafé für ca. 20 Minuten, es gab jedoch weder Getränke noch etwas zu Essen. Dann schaffen wir es gerade noch kurz nach Fastenbrechen an eine Fischerbude, wo es zur Fastensuppe auch noch eine Portion Calamares gab (auf diese hätten wir besser verzichten sollen, schade!).

Und dann finden wir ihn doch doch relativ schnell, den mager ausgeschilderten Campingplatz von El Jadida. Alle kennen uns, ein großes Hallo, und die Hundies dürfen sich erneut über einen leeren Campingplatz freuen. Wir kennen El-Jadida, sind dermaßen müde, dass wir nicht mehr in die Altstadt gehen.  Und fallen zu Bett.

Fr. 17.6 Ounagha – Souira : 140km

Heute steht eine kleinere Fahrt an. Eigentlich ist es nur eine 80km Tagesetappe bis zum sehr empfehlenswerten Dar Aicha bei Souira. Ich nutze die Gelegenheit um beim nahegelegenen Tierprojekt,  Refuge Gco, vorbeizuschauen. Wir hatten einige Probleme es zu finden, doch hat es sich gelohnt. Allerdings kamen wir just in dem Moment an, wo ein Pferd seinen Todeskampf ausführte. Leider ist es dann auch gestorben. Sehr beeindruckend von der Arbeit von Valerie und Ihrem Partner ziehen wir gegen 16 Uhr wieder von dannen. Die große Hitze ist vorbei und unser Ziel ist erneut, kurz vorm Fastenbrechen bei unserer Unterkunft anzukommen. Wir versuchen es ohne Zwischenladung, doch 2km vor Ziel komme ich bereits an die 320V an. Ein Tanta Emma Laden wird genutzt um mein TWIKE (die kleinere Batterie als das andere Fahrzeugg) für 10 Minuten anzustecken und parallel das Essen und die Getränke für den morgigen Tag zu besorgen. Der letzte Anstieg zur Herberge wird geschafft und auf uns wartet nicht nur die bekannte imposante Aussicht sondern auch ein wunderbares Gericht.

16.06 : Agadir – Essaouira – Ounagha : 230km

Der erste Tag ist zugleich mit ca. 230km auch unser längster TWIKE-Reisetag. Leider kommen wir erst gegen Mittag los, dafür sind aber alle Ladehalte bekannt. Allerdings befinden wir uns schon mitten im Fastenmonat Ramadan, das könnte die Verpflegung während der Ladehalte etwas einschränken.

Endlich geht es los:

Die ersten 60 km geht es nur an der Küste entlang. Bye Bye Agadir. Es ist sehr windig und mein rechter Armmuskel kommt zur Geltung, manchmal auch unterstützt durch den linken Arm.

Doch dann schaffe ich es nicht mehr das TWIKE zu steuern, ich fahre rechts ran. Reifenplatten, wohlgemerkt auf dem Vorderreifen! Und ja, genau der Reifen, den wir bereits auf der Hinfahrt geflickt hatten. Wir sind sehr spartanisch unterwegs und haben nicht mit einer Reifenpanne gerechnet, folgedem fehlt die Luftpumpe. Wir befinden uns erst bei km 25 nach Agadir. Ein Zurückfahren des 2. TWIKE wäre möglich, doch würden wir 50km Reichweite verlieren. Ich erinnere mich an den naheliegenden Campingplatz. Und siehe da, alles vorhanden, um den mit einem neuen Schlauch bezogenen Reifen mit Luft zu versorgen. Weiter geht’s!

Auf den Ladehalt bei km 60 in Tamri ist Verlass. Wir bekommen zwar nichts zu Essen, aber Getränke sind vorhanden. Die Hundies sind längere TWIKE-Fahrten mittlerweile gewöhnt und dösen im Schatten weiterhin in ihren „TWIKE-Hundehütten“ vor sich her.

Wir müssen weiter. Um 19:45 ist Fastenbrechen angesagt, wir sind 30km vor Essaouria, doch hätten wir es nicht mehr rechtzeitig geschafft. Ich schlage eine sehr kleine Küstenstraße Richtung eines bekannten Surfspots, Sidi Kaouki, vor. Diesen erreichen wir auch rechtzeitig, doch ist alles geschlossen und es wirkt wie ein windiges Geisterörtchen. Keine Ramadansuppe für uns weit und breit. Wir genießen die autofreien Straßen und fahren mit unserer letzter Energie kurze Zeit später nach Essaouira ein. Hier finden wir  ein nobleres Fischrestaurant mit Zugang zur Steckdose. Perfekt.

Ab jetzt sind es bis zu unserer Übernachtung nur noch 20km Fahrt. Allerdings im Dunkeln und bergauf. Wir laden bis ca. 350V, das sollte reichen. Folgende Wegbeschreibung liegt uns vor: Bis zum Kreisverkehr, dann die Straße Richtung Safi 6km entlang.

Wir erreichen den Kreisverkehr und erkennen, dass es zwei Strassen nach Safi gibt. Nachdem uns die erste Straße nicht vielversprechend aussieht, fahren wir über 15km weiter zur zweiten Strasse. Nichts! Es wäre die erste Straße gewesen. Wir sind müde und erschöpft und während wir uns besprechen, tanken die Fahrzeuge erstmal an einer Dorftankstelle.

Ganz in der Nähe ist der Campingplatz vom letzen Jahr. Wir fahren hin, es ist mittlerweile 23Uhr, geschlossene Tür. Ich rufe die anstehende Telefonnummer an. Der Campingplatz hat während dem Ramadan geschlossen, doch man kennt uns und lässt uns nach einiger Diskussion hinein. Super, ein ganzer Campingplatz nur für uns. Die Hunde sind ausser sich vor Freude, Glück gehabt!